Foto : Matthias Scheuer

 

Hallo Martin, schön das Du dir die Zeit nimmst um meine Fragen zu beantworten.

Sehr gerne!


Für die Leser, die mit Deinem Namen ( noch ) nichts anfangen können...Wer verbirgt sich hinter dem Namen Martin Sabel wie sieht dein Werdegang aus?

Nach dem Abitur folgte eine Banklehre, dann eine Schauspielausbildung.
Seit 1999 spielte ich auf verschiedenen Bühnen in Bonn, Berlin und Hamburg.
Vor einigen Jahren hatte ich dann begonnen, auch vermehrt als Sprecher, vornehmlich in Computerspielen, Hörspielen, Funkwerbespots und in letzter Zeit auch im Sychronbereich zu arbeiten.



Neben vielen anderen herrlichen Hörspielrollen verleihst Du in der Historischen Piratenhörspielserie "Die Arwinger" dem Johann „Schleicher“ Torn, Deine Stimme….Was bedeutet diese Art Hörspiel für Dich ?"

Nüchtern betrachtet war die Arbeit an diesem Hörspiel ein ganz normaler Auftrag, den ich annahm und dann mit demselben Anspruch an professioneller Erfüllung anging, wie jeden anderen Auftrag auch.
Das Genre ist dabei nicht entscheidend. Wenn wir im Studio Schlachten aufnehmen, macht es keinen Unterschied, ob diese auf einem Piratenschiff, oder im Weltraum stattfinden.
Um so angenehmer dass in diesem Fall auch sowohl die Geschichte, als auch die Manschaft top waren.



Ich muss ja wirklich gestehen, nach anfänglicher Skepsis gegenüber eines Historischen Piratenhörspieles, ein großer Fan dieser Hörspielserie geworden zu sein...Wie war das bei Dir…Anfangs auch Skeptisch, oder sofort begeistert ?

Das in der Beschreibung verwendete Wort "historisch" läuft natürlich Gefahr, erstmal Assoziationen hervorzurufen, wie "schrecklich trockener Bildungsstoff".
In diesem Fall allerdings, kannte ich die Macher ja bereits bevor ich die Manuskripte gelesen hatte.
So war meinerseits von Anfang an keinerlei Skepsis vorhanden. Ich wußte, dass mich eine tolle Geschichte erwartet, und so war es dann auch.



Du kommst ja aus Hamburg…warum spricht Johann Torn nicht, wie die anderen in dieser Mundart…hatte dies einen Grund…z.B. weil er als Henkerssohn einen anderen Stand hatte ?

Wir hatten in der Tat darüber nachgedacht.
Es ist nicht so, dass ich keine Freude daran gehabt hätte, Johann etwas fischköppiger klingen zu lassen.
Wir entschieden uns dann dagegen, da eine Mundart manchmal Gefahr läuft, dass Spiel zu übertönen.
Das Norddeutsche eignet sich gut, sofern der Szene Stimmungen wie Fröhlichkeit oder Melancholie zugrundeliegen.
Bei Wut ist das eventuell schon schwieriger. Was in einem Werner-Comic funktioniert, hätte bei uns wie eine ungewollte Persiflage wirken können.
Zudem lernte Johann das Sprechen von seinem Vater, und dieser spricht ebenfalls Hochdeutsch.



Wie würdest Du Johann Torn..Schleicher, aus Deiner Sicht beschreiben ?

Ein Mensch, der unter denkbar unerfreulichen Bedingungen geboren wurde und aufwuchs.
Er mußte schnell lernen, was es braucht, um klarzukommen.
Sein Vater konnte ihn in jungen Jahren liebevoll behüten, doch er starb zu früh und hinterließ ein paar ernsthafte Dilemmas.
Die Dinge entwickeln sich manchmal hässlich - dann darf man nicht aufgeben, auch wenns wehtut.
Offensichtlich lernte er dies schnell genug, denn zumindest hat er bis jetzt überlebt.
Dieses Überleben bestand allerdings nur aus einer permanenten Flucht vor immer haarsträubenderen Schwierigkeiten.
Er hatte niemals Zeit, um herauszufinden, wo sein Platz in dieser Welt ist,
aber er ist darauf konditioniert, im entscheidenden Augenblick nicht das Falsche zu tun.


Am ehesten ist er möglicherweise in folgender Hinsicht beeindruckend:
Trotz der ständig scheinbar ausweglosen Situationen, die praktisch seinen Alltag ausmachen, bleibt er seinen Prinzipien treu.
Das Schicksal zwingt ihn permanent dazu, schreckliche Dinge zu tun, er hat am Ende seine Bestimmung als Verbrecher gefunden, dennoch vergisst er nie, dass es bestimmte endgültige moralische Grenzen gibt, die er nicht überschreiten darf.
Zum Beispiel, dass niemand durch seine Hand sterben soll
- eine für einen Piraten in jenen Zeiten doch sehr pazifistische Einstellung
Er geht immer irgendeinen anderen, im Normalfall für ihn weitaus schmerzhafteren und folgenschwereren Weg.



Wieviel Johann Torn steckt in Martin Sabel ?

Nun, wir sind eigentlich identisch, abgesehen von den ständigen lebensbedrohlichen Situationen, dem Erfüllen des späteren Lebensinhaltes mit Gesetzesbrüchen, dem schlechten sozialen Umgang, dem ungünstigen Start ins Leben, der mit zunehmender Lebensdauer zunehmende Zahl an Todfeinden, der gefährdeten Sicherheit bei der Ausübung des Berufes, und überhaupt der wie selbstverständliche Umgang mit Gewalt in Wort und Tat.
Naja, und ich würde wahrscheinlich kein ganz so robustes Nervenkostüm an den Tag legen, wenn ich von einem Haufen schwerbewaffteter Halunken eingekreist werde, die mich tot sehen wollen.



Gab es Momente beim Einsprechen, die Dir irgendwie Nahe gingen oder etwas schwerer fielen in der Umsetzung ?

Wenn wir zusammen eine Szene mehrmals hintereinander einsprechen, die gefühlsmäßig an die Substanz geht, dann färbt der emotionale Gehalt natürlich teilweise von der Rolle auf den Sprecher ab.
Wir nehmen diese dabei entstehende Stimmungsschwankung dann natürlich freudig auf und lassen sie gleich in die Aufnahme fließen.
Nach der Aufnahme schüttelt man das aber ganz schnell ab - man nimmt keine Trauer- oder Rachegefühle mit in den Feierabend ;-)
Natürlich kommt es hin und wieder vor, dass sich mal einer verhaspelt, aber irgendwelche Probleme beim Einsprechen gab es nicht.
Wir alle machen diesen Job ja schon ein paar Jährchen.
Zudem waren die Texte waren absolut stimmig und griffig geschrieben.
Insofern gab es bei uns einen reibungslosen Ablauf.
Nur das Lied aus Episode 2 mußten wir ein wenig üben.



Kanntest Du Deine Arwinger-Kollegen vorher schon ?

Nicht alle. Ein paar gehörten vorher schon zu meinem engeren Freundeskreis, und mit einigen verbanden mich vorherige Theaterengagements.
Der Kreis der Schauspieler in Hamburg ist nicht unbedingt klein, aber dennoch überschaubar.



Die Arwinger haben bereits eine Menge Hörspiel hörer in ihren Bann gezogen…auch gab es wohl schon Specials in Hamburg in einem Gewölbekeller…wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Fans, und wie wichtig sind aus Deiner Sicht Hörspielforen?

Sehr wichtig, denn für unsere Fans haben wir ja überhaupt ursprünglich die Ärmel hochgekrempelt.
Ich bin froh, dass es heutzutage dank Internet und Liveveranstaltungen möglich ist, direktes Feedback zu bekommen und in die nächste Arbeit einfließen zu lassen.
Wäre der Austausch zwischen Machern und Fans eine Einbahnstraße, würden die Macher ineffektiv ins Blaue produzieren und nur an den Verkaufszahlen ermessen können, ob sie vielleicht irgendetwas falsch machen.
Abgesehen davon gebe ich natürlich auch einfach zu:
Es ist für einen schaffenden Künstler ein erfreuliches Erlebniss, Menschen zu treffen, denen gefällt, was man macht.



Hörst Du privat auch Hörspiele / Hörbücher und Sammelst Du auch ?

Früher habe ich privat sehr viele Hörspiele gehört.
Inzwischen höre ich hauptsächlich nur noch aus beruflichem Interesse.
Das hat zur Folge, dass ich inzwischen nicht mehr auf bestimmte Genres festgelegt bin.
Ich höre alles, was ich in die Finger kriege - sobald ich die Zeit finde.



Bist Du auch in diversen Hörspielforen angemeldet und informierst dort die User mit Informationen aus erster Hand.

Ich bin insofern in die Hörspielforen aktiv, als dass ich sie bei Gelegenheit immer mal wieder überfliege.
Ich versuche immer auf dem neuesten Stand zu sein, was sich gerade in der Branche tut.
In ein paar Foren habe ich ein Profil (Profilname: Gigaphon), allerdings bin ich üblicherweise eher lesend, als schreibend aktiv.
Sofern ich in diesen Foren direkt persönlich oder als Teil von Gigaphon (Dragonbound) etwas gefragt werde, antworte ich natürlich.



Neben dem Hörspielern, bist Du ja auch Schauspieler und am Theater …was ist Dir persönlich lieber…in einem stillen Kämmerlein zu Hörspielern oder auf der Bühne / vor der Kamera zu Schauspielern ?

Ich habe nach über zehn Jahren auf der Bühne meinen beruflichen Schwerpunkt in der letzten Zeit bewußt aufs Sprechen verlagert.
Bühnenauftritte mache ich nur noch vereinzelt und dann auch gerne, aber am Sprechen habe ich inzwischen mehr Freude.



Du Synchronisierst ja auch in Spielen…spielst Du diese Spiele dann auch selbst ?

Die meisten ja.
Manche Spiele spiele ich dann auch komplett durch, sofern sie mir gefallen, aber alle Spiele schaue ich mir zumindest mal an, um mir meine Arbeit noch mal anzuhören und einzuschätzen.
Manchmal führt der Konsum des finalen Produktes zu neuen Erkenntissen, die bei der zukünftigen Arbeit von Nutzen ist.



Bevor Du im Schauspiel und Hörspiel Bereich tätig wurdest, warst Du Bankkaufmann und gar nicht so wirklich erfüllt, nicht wahr ?…als Du dann den Entschluss fasstest Schauspieler zu werden und es Deinen Eltern Mitteiltest…Hing da der Haussegen schief oder wurdest Du in Deinem Wunsch bestärkt ?

Ich wußte schon ziemlich früh, dass ich auf die Bühne wollte, es war also keine Überraschung für meine Eltern.
Sie kamen aus zu soliden Verhältnissen, als dass sie ein Schauspielerdasein ihres einzigen Sohnes auf Anhieb gutheissen konnten.
Also machte ich mit meinem Vater einen Deal:
"Zuerst eine Banklehre, danach kannst Du immer noch was Anständiges machen,"



War es schon immer Dein Wunsch auf der Bühne, vor so vielen Menschen Stücke aufzuführen ?

Ja.


Was gefällt Dir persönlich an dem Medium Hörspiel / Hörbuch ?

Wenn nur der akkustische Sinneskanal beim Konsumieren einer Geschichte gefüttert wird, so hat man als Hörspielmachen im Vergleich zum Filmproduzenten die Möglichkeit, monumentale Geschichten zu erzählen, die bei bezahlbarem Budget dennoch unendlich viele Möglichkeiten für kreatives Ausleben ermöglichen.


Wie Du ja weißt bist Du der Grund das mein Sohn Damien, Hörspielsprecher werden möchte…wie fühlst Du dich dabei, für jemanden ein Vorbild zu sein und ggf. einen Teil zur Beruflichen Richtung bei zu tragen ?

Oje, ich bin nun extra nicht Notfallarzt oder Lehrer geworden.
Ich dachte, als Schauspieler wäre die Verantwortung, die ich meinen "Kunden" gegenüber zu Schultern habe nicht ganz so groß..

Im Ernst:
Zu Erfahren, dass das eigene Schaffen nicht nur anderen gefällt, sondern einzelne möglicherweise auch inspiriert, oder gar prägt, ist für jeden Künstler natürlich eines der besten Komplimente, die man bekommen kann.
Wenn Damien wirklich Freude am Sprechen hat, soll er weitermachen, solange der Spaß ihn vorantreibt.
Damien ist noch sehr jung, aber wenn er in einigen Jahren immer noch daran interessiert ist, sollte er sich über die Bedingungen dieses Berufes informieren (Schauspielausbildung, Chancen auf dem Arbeitsmarkt, etc.)
Das Geschäft ist nicht unbedingt einfach. Wirkliche Chancen hat eigentlich nur, wer das Interesse und vor allem den Spaß an dieser Arbeit nie verliert.



Gab es schon einmal einen Satz beim Einsprechen der einfach nicht klappen wollte, bei dem so richtig der Wurm drinnen war ?

Es gibt manchmal Sätze, die möglicherweise nicht beim ersten Anlauf klappen.
Das ist zum Beispiel bei Sätzen der Fall, die sich über eine halbe Seite hinziehen, oder mehrere langsilbige medizinische Fachausdrücke aufzählen.



In Dragonbound, hauchst Du der Figur Dogo Leben ein…der durch seine nicht gerade von Glück gesegnete und tollpatschige Art, eine wahre Bereicherung und ein richtiger Sympathieträger in der Serie ist…Ich kenne Dich jetzt eher aus Fiesen und Arroganten Rollen, wie war es für Dich in die Rolle des Dogo zu schlüpfen ?

Die Fieslinge spreche ich sehr gerne, damals wie heute.
Als wir mit der Produktion von Dragonbound begannen, war es aber an der Zeit mal ein kleines charakterliches Gegengewicht zu setzen.
Es kann passieren, dass ein Schauspieler irgendwann auf eine bestimmte Rolle festgelegt wird, wenn er sie zu oft spielt.
Also wurde Dogo so ziemlich das Gegenteil von jenen Finsterlingen, als die mich manche kannten.



Welche Rolle wäre Dein persönlicher Traum, was oder wen würdest Du am liebsten mal sprechen?

Max Payne aus der gleichnamigen Computerspielserie.
Ich müßte aber wohl noch ein paar Jahre warten, bis ich das passende Stimmalter habe.



Du unterstützt ja auch nonkommerzielle Hörspiele und Labels, weshalb machst Du dies und was hältst Du persönlich von nonkommerziellen Hörspielen, die von nicht ausgebildeten Sprechen ins Leben gerufen werden ?

Ich begrüße und schätze die Arbeit, die sich die Betreiber von nichtkommerziellen Labeln und Gruppierungen machen.
Abgesehen von den Endresultaten (also den Hörspielen, Filmen oder Computerspielen), die unsere künstlerische Welt noch etwas bereichern und beleben, bieten diese Communities hervorragende Möglichkeiten für junge am jeweiligen Medium Interessierte, sich selber auszuprobieren.
Ich lasse ihnen also gerne meine stimmliche Unterstützung zukommen, soweit es meine Zeit zuläßt.



Martin, hab vielen lieben Dank für die Zeit die Du dir für die Beantwortung meiner Fragen genommen hast ! …ich könnte gerade schon wieder weitere Fragen stellen.

Es war mir eine Freude.


Möchtest Du zum Abschluss noch etwas an meine Homepage-Leser und "Die Arwinger" Fans richten ?

Danke für Euer Interesse, wir sind froh, dass es Euch gibt!