Helmut Krauss

Helmut Krauss gefragt...



Lieber Herr Krauss, erst einmal vielen Dank das Sie sich die Zeit nehmen um mir Fragen zu Ihrer Person und Arbeit zu beantworten.

Ich persönlich habe die Erste Berührung mit Ihrer Stimme gemacht als ich Mister Ed und Captain Future gesehen hatte…und zum Ersten Mal wirklich gesehen als Nachbar des Peter Lustig.
Bei meinem Sohn ist es vom hören der Maurice in der Zeichentrickserie Die Pinguine aus Madagascar und richtig gesehen hat er Sie bei der Master of Chess Tour DVD der drei ???
Natürlich haben Sie sehr viel mehr getan als nur diese 4 genannten Beispiele, aber können Sie sagen, was sich in diesem Zeitunterschied in und bei Ihnen für eine „persönliche Entwicklung“ getan hat ?

Es ging schon vorher los: als ich 1963 nach Berlin kam, bin ich erst mal in diversen Rundfunksendern untergekommen, hab dann synchronisiert und wieder Theater gespielt. In die Zeit fällt auch meine erste grössere Fernsehrolle: der "Django" in der Berliner Polizeiserie "Direktion City", danach bin ich dann (1980) zu "Löwenzahn" gekommen, hab im GRIPS-Theater gespielt, dann Kabarett, dann alles gleichzeitig… und noch viel mehr...


Sie sind ja neben dem Synchronisieren auch Schauspieler und Kabrettist…was ist Ihnen persönlich lieber…in einem stillen Kämmerlein zu Hörspielern oder auf der Bühne / vor der Kamera zu Schauspielern ?

Alles zu seiner Zeit. Ich mache immer das am liebsten, was ich gerade mache, würde aber auch auf das andere nicht gern verzichten. Natürlich ist es etwas anderes, auf der Bühne zu stehen oder vor der Kamera, oder aber  im stillen Kämmerlein zu agieren. Aber alles hat auch seine eigene Konzentration und Wirkung.

Seit vielen Jahren stellen Sie den Nachbarn Paschulke in Löwenzahn dar, macht Ihnen die Rolle nach so vielen Jahren noch mehr Spaß als am Anfang ?
Ich muss sagen, es war ja gar nicht klar, dass ich das so lange machen werde. (Inzwischen 32 Jahre!) Aber es macht, wie alles mit zunehmender Zeit immer mehr Spass. Man lernt immer noch was neues über die Figur - und über sich selbst! - kennen. Dazu kam ja noch der Partnerwechsel zu Guido Hammesfahr, was eine zusätzliche Herausforderung darstellte


Bevor Sie im Schauspiel und Hörspiel Bereich tätig wurden, waren Sie (wenn ich mich richtig Entsinne) als Kind „Schirmbube“ später dann sogar im Radio zu hören. Was geschah in der Zwischenzeit ?

Sie spielen auf meine Zeit als Schirmbube und Komparse auf der Freilichtbühne Augsburg an, wo ich meine Kindheit verbrachte. Dort habe ich hautnah Theater miterlebt, und es war sehr bald klar, dass ich das auch machen werde. Erst wollte ich allerdings Bühnenbildner werden; dann kam aber bald das dringende Bedürfnis, VOR diesen Bildern selbst zu spielen. Habe dann aber noch meine Schule mit Abitur zu Ende gemacht, und ein wenig Pädagogik studiert, stand aber mit einem Bein immer im Theater

 

War es schon immer ihr Wunsch einmal etwas auf der Bühne vor so vielen Menschen aufzuführen ?

Also, vor SOOO vielen Menschen wie bei "Drei Fragezeichen" oder in Bregenz auf der Seebühne ("West Side Story"), auch in Segeberg oder bei den "Störtebeker"-Spielen auf Rügen … sowas kann man sich nicht wünschen; es ist umso erfreulicher, wenn man das erleben darf.

Was gefällt Ihnen persönlich an dem Medium Hörspiel / Hörbuch ?

Es ist diese innere Intensität, die da gefordert wird, dieses nur mit der Stimme eine gewisse Atmosphäre zu erzeugen, und das Geschichten-erzählen, die dann in der Fantasie des Zuhörers weiterwirken.


Soweit ich weiß, sind Sie privat eher weniger der Fantasy – Fan.
Wie war das für Sie, als Sie das Angebot bekamen, „Das Rad der Zeit“ zu lesen…hat dies danach evtl. Ihr Interesse zu Fantasy verändert ?

Fantasy ist auf jeden Fall eine gute Gelegenheit, alle sprecherischen Möglichkeiten "auszutoben", gerade, weil man weiss, dass es viele Fans dafür gibt. Selber hören tue ich es aber generell nicht, schon aus Zeitgründen.

Hören Sie selbst auch sehr gerne Hörspiele und sind evtl. sogar ein Sammler ?

Siehe oben. Aber ich höre generell gerne gesprochenes Wort: Berichte, Features, Literaturkritiken, auch Lyrik usw. Und was das Sammeln betrifft: ich habe einen Sohn, der schon immer ein grosser Archivar meiner eigenen Arbeiten ist. Vielleicht höre ich später mal rein..

Mein Sohn und ich haben uns kürzlich die DVD - Master of Chess Tour mit den "Drei Fragezeichen" gekauft…Sie hatten sichtlich Freude an dem Livehörspiel…Erzählen Sie doch mal, wie diese Tour für sie war, an welches Erlebnis Sie sich besonders gerne zurück Erinnern.
Es ist ja so, dass ich mit der eigentlichen CD-Produktion nichts zu tun habe. Die Jungs nehmen mit immer mit, wenn sie auf Tour sind, weil ich ein bisschen der (künstlerische) Papi für sie bin… Besonders fasziniert war ich davon, wie die Säle immer grösser wurden, und wir auf der Bühne immer lockerer, nicht zu vergessen, die nächtlichen Fahrten im gemütlichen Tour-Bus.


Dürfen Sie mir verraten welche Produktionen für die nahe Zukunft geplant sind ?

Zur Zeit drehe ich die 32. Staffel "Löwenzahn", lese in diesem Jahr hoffentlich die letzten der 35 Bände "Das Rad der Zeit" zu Ende, im Herbst bin ich auf Theater-Tournee mit der Berliner "Komödie"…im Januar damit im Winterthurer Fährhaus in Hamburg, dazwischen immer wieder kleinere Lesungen und Literatur-Veranstaltungen…Synchronisieren tue ich kaum noch, meine Rollen gibt es nicht mehr so oft…

Was war Ihre bisher schwerste Rolle / Arbeit? - Welches die Interessanteste?

Die schwerste ist meist auch die Interessanteste. Im Theater zuletzt wohl die Rolle des "Abt Abbo" in "Der Name der Rose", das  ich ca. 8 Jahre lang auf Tournee gespielt habe. Im Synchron zweifellos John Goodman in "The Big Lebowski" und natürlich die letzten Rollen von Marlon Brando incl. der Neusynchronisation von "Der Pate"


Gab es schon einmal einen Satz beim Einsprechen, der einfach nicht klappen wollte und wo so richtig der Wurm drinnen war ?

Neuerdings holpere ich gerne bei "kl"-Lauten wie MittelKLassewagen u.ä. In meinem Rundfunk-Prüfungstext vor fast 50 Jahren waren es Worte wie "nicaraguanisch" oder "chinesisch", das ich als Bayer natürlich mit "k" gesprochen habe…

Können Sie einem Nachwuchs,- Hobbysprecher, wie mir und meinem Sohn einen Tip für eine solche Situation geben ?
Ruhe bewahren und volle Konzentration. Vorraussetzung ist natürlich eine guten Sprech- und Schauspiel-Ausbildung, und viel ZUHÖREN!!


Welche Rolle wäre Ihr persönlicher Traum, was oder wen würden Sie am liebsten mal sprechen?

Gesprochen habe ich eigentlich alles, was wichtig ist. .. Die Rolle des "Salieri" im Stück "Amadeus" wäre noch was…oder noch mal ein Auftritt in einem Musical; ich mag das, wenn man da von so vielen begabten jungen Sängern und Tänzern umgeben ist…

Sind Sie auch in diversen Hörspielforen angemeldet und wie wichtig sind diese aus Ihrer Sicht ?

Es ist schön, dass sich die Fans jetzt so um uns kümmern und selber auch Hörspiele produzieren, aber man muss schon genau hinschauen, mit wem man sich da einlässt..
 

Sie haben ja erwachsene Kinder, sind diese Hörspielfans oder versuchen sich selbst im Sprechen ?

Meine Kinder sind keine Berufs-Künstler, ein Sohn macht Musik neben seiner Informatiker-Tätigkeit, meine Tochter arbeitet im Theater im Betriebsbüro, der andere Sohn ist schon ein bisschen Hörspiel- und Kabarett-Fan, und, wie gesagt, mein Archivar…

Gibt es etwas, das Sie meinen Homepagebesucher und Hörspielhörern sagen möchten ?

Hörspiel ist Kino für die Ohren ! Auf Wiederhören!

 


Herr Krauss, haben Sie vielen lieben Dank für Ihre Zeit !

Ich wünsche Ihnen alles Gute.